2015 (Köln)

Kölsch, Kultur und Technik – Exkursion des Patenprogramms 2015

Auch im Sommersemester 2015 veranstalteten wir vom Patenprogramm eine fabelhafte mehrtägige Exkursion für die Austauschstudenten des Maschinenbaus. Diesmal in etwas kleinerer Runde ging es für sechzehn motivierte Internationals und sieben Betreuer nach Köln. Am 26.06. trafen wir uns wie gewohnt um sechs Uhr morgens vor dem Darmstadtium und waren das erste Mal überrascht: Auf dem Seitenstreifen erwartete uns bereits Busfahrer Helmut mit seinem luxuriös anmutenden vier-Sterne Bus mit getönten Scheiben und gut und gerne 600PS unter der Haube. Also eigentlich war es gar nicht Helmut, der da wartete und schon gar nicht auf uns – weit und breit war kein Buslenker zu sehen… Wenig später bot sich uns dann der eigentlich erwartete aber dennoch ernüchternde Anblick, als Helmut mit dem wirklich für uns bestimmten Bus heranrollte: Es war das gleiche Auslaufmodell mit dem Norbert uns ein Jahr zuvor nach Dresden und vor einem halben Jahr nach Hamburg kutschiert hatte; diesmal jedoch sowohl mit geschlossenem Fenster, als auch mit geschlossener Batterieabdeckung – und 300 Euro günstiger. Wer braucht da Ende Juni schon eine Klimaanlage?? Nach einiger Wartezeit und der eigentlich erwarteten, aber dennoch ernüchternden Konfrontation mit der südländischen Pünktlichkeit ging es schließlich los gen Leverkusen. Ausgeschlafen und behände am Schalthebel des Bova 12-Gang Getriebes, von denen ca. sieben Gänge nicht nutzbar waren, düste Helmut mit uns ohne Pause zum Bayer Kommunikationszentrums, sodass wir pünktlich zu unserer Führung antreten konnten.

Die Führung durch das hochmoderne Besucherzentrum war sehr anschaulich: Mit 3D-Beamer, Fahrsimulator, Quizcomputer und vielem mehr wurden Geschichte, Geschäftsfelder und Zukunftsvisionen der Bayer AG präsentiert. So lernten wir spielerisch, dass Bayer nicht nur in der Pharma-, sondern auch in der Agrarbranche und zurzeit auch noch in der Materialwissenschaft tätig ist. Leider zerstörte der anschließende Vortrag das gerade positiv aufgebaute Bild der Bayer AG durch unfassbare Ödheit und unpassende Kommentare zur traditionellen chinesischen „Voodoo“ Medizin. Immerhin war das darauffolgende Essen in der Kantine ausgesprochen lecker, wobei uns der 60%ige Gästeaufschlag nicht so recht schmeckte, aber was will man bei 3,5 Mrd. € Nettogewinn erwarten? Direkt nach dem Essen wurde es immerhin für drei von uns recht interessant: Bei der Auszahlung des Restgeldes unserer Kantinenkarte verschluckte der Automat ebendiese, sodass ein Techniker herbeieilte um den Apparat aufzuschrauben. Den anwesenden Paten bot sich der erste und leider auch letzte technisch ansprechende Teil der Besichtigung der Bayer AG: Wir konnten einen kurzen Blick in das Innere des Automaten mit seinen Sensoren, Elektromotoren und Lämpchen erhaschen! Nach diesem Lichtblick brachen wir in unserem Bus zur 1,5 stündigen geführten Rundfahrt über das Werksgelände auf, die den Tiefpunkt unseres Besuchs darstelle und die ich nicht weiter kommentieren möchte, denn geträumt habe ich bei 35° auch schlecht.

Kaum in der Jugendherberge angekommen zogen wir los in die Innenstadt und testeten das Kölner Nachtleben für Samstag an. Einige schafften den frühen Absprung und schonten sich für den folgenden Tag, andere feierten noch bis spät in die Nacht auf einer Studentenparty. Für Samstagvormittag hatten wir die obligatorischen Stadtführungen (deutsch und englisch) gebucht. Die Führungen waren sehr interessant und kurzweilig und können uneingeschränkt weiterempfohlen werden! Bei unserer Rheinüberquerung über die Schlossbrücke haben wir als gute Maschinenbauer natürlich die Anzahl der Schlösser am Brückengeländer ingenieursmäßig abgeschätzt. Beinahe schon zu Tränen gerührt wurde uns klar, dass bereits mehrere Hunderttausend Liebespaare in einem romantischen Ritual ihre Zweisamkeit auf dieser Brücke für die Nachwelt festgehalten hatten. In anderen Worten: Wir waren über die nicht zu vernachlässigende einseitig wirkende statische Last auf die Bogenbrückenkonstruktion besorgt.

Den Samstagabend starteten wir bei „Früh am Dom“, wobei drei Kandidaten (diesmal unerwartet und daher umso ernüchternder) alles andere als früh, sondern über eine Stunde zu spät kamen. Bei ausgesprochen leckerem gutbürgerlichem Speis und Trank konnten wir natürlich darüber hinwegsehen. Um heruntergefallenes Essen kümmerten sich die kleinen Pelzigen Haustiere des Traditions-Brauhaus‘, die emsig um unsere Füße huschten. Wir ließen uns von nichts aus der Ruhe bringen und steigerten unsere gute Laune mit dem ein oder anderen Bier am Rheinufer, sodass wir schließlich für das legendäre Kölner Nachtleben bereit waren. Im sehr zu empfehlenden „Das Ding“ genossen wir die Schlosskelleratmosphäre und tanzten bis spät in die Nacht. Im Gegensatz zum Schlosskeller und zu unserem Bova Futura gab es bei 30° Außentemperatur sogar eine funktionierende Klimaanlage unter der sich der internationale Darmstadt-Mob zur ein oder anderen Tanzeinlage hinreißen ließ! Da auf jeden Betreuer schließlich weniger als zwei Patenkinder kamen, konnten wir teilweise sogar eine eins zu eins Intensivbetreuung realisieren. Auf der Heimfahrt zur Jugendherberge mussten zwei von uns die Erfahrung machen, dass das Leihfahrrad System in Köln bei weitem nicht die Qualität des Darmstädter Bahnrad-Systems erreicht.

Nach Hause schafften es trotzdem alle, sodass wir am Sonntag zum Abschluss unserer Exkursion noch das Lindt Schokoladenmuseum besuchen konnten. Auch hier war die Führung ausgesprochen gelungen und kurzweilig. Am Schokobrunnen konnte man frische Schokolade kosten und direkt daneben hautnah eine kleine Schokoladen-Produktionsstraße im Betrieb bestaunen. Ob es bei Bayer wohl auch solch interessante und komplexe Maschinen gibt?

Alles in allem blicken wir Paten auf ein erlebnisreiches und ausgesprochen lustiges Wochenende zurück und freuen uns bereits auf die kommende Exkursion nach Freiburg!

Lukas Schell